- Adventskirche Niedervellmar

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„Suche Frieden und jage ihm nach“

Dieser biblische Imperativ aus dem 34. Psalm ist
die Losung des Jahres 2019 und wird in den
unterschiedlichen Zusammenhängen unseres
kirchlichen Lebens immer wieder aufleuchten.
Frieden - Jede und Jeder von uns trägt in sich
die tiefe Sehnsucht und Hoffnung, sein Leben in
Frieden erfahren zu können. Das bedeutet nicht
nur die Abwesenheit von Streit und Krieg. Dazu
gehören auch wirtschaftliche Stabilität, tragende
mitmenschliche Beziehungen, sinnerfüllende
Aufgaben, vor allem anderen sicherlich nichts
anderes als Anerkennung für das tägliche Tun.
All diese wohltuenden Erfahrungen tragen zu
einem inneren Frieden bei, die man auch als innere
Ruhe oder satte Zufriedenheit bezeichnen
könnte.
Doch jeder von uns weiß, wie zerbrechlich und
flüchtig Frieden in unserem Leben ist. Schon
eine Kleinigkeit, ein einziges Wort manchmal nur,
vermag uns aus der Ruhe zu bringen. Oder ein
unerfüllter Wunsch lässt Unzufriedenheit in uns
aufkeimen. Vor allem aber der schmerzliche
Mangel an eigenem Selbstwert stiftet so viel Unfrieden.
Konflikte vermögen Beziehungen zu zerstören,
Neid und Missgunst schwächen die Arbeitskraft,
Machtgelüste bringen Unfrieden über kleinere
und größere Gemeinwesen, auch unsere Kirchengemeinden.
Der große König Israels, David, fordert deshalb
in Psalm 34,15 dazu auf: „Meide das Böse und
tue das Gute, suche Frieden und jage ihm nach.“
Er betet diese Worte auf der Flucht vor König
Saul, der ihm voller Neid über seine Erfolge nach
dem Leben trachtet.
Der Psalm macht Hoffnung, dass Frieden keine
Illusion, sondern eine Möglichkeit, ein Versprechen,
ein Geschenk, eine Aufgabe ist. Der Friede
hat immer drei Dimensionen:
Frieden mit Gott: Der Krieg mit Gott muss beendet
werden. Er besteht in dem menschlichen
Versuch, Gott zu spielen. Sich aufzuspielen. Er
ist besonders grausam, wenn er im Namen Gottes
geführt wird.
Frieden mit anderen: Wie viele Kleinkriege führen
wir eigentlich tagtäglich mit anderen Menschen?
Sie beruhen auf der irrigen
Überzeugung, es selber besser zu können. Dem
Gegenüber wird seine Würde abgesprochen.
Frieden mit sich selbst: Der Krieg mit sich
selbst muss beendet werden. Er besteht im Zerwürfnis
mit sich selbst, im nicht enden wollenden
Zweifel und der Angst um das Eigene.
Gedanken der Lyrikerin Rose Ausländer machen
etwas deutlich von dem immerwährenden Unfrieden
unseres Lebens:

Im übersättigten Hungerjahrhundert
kaue ich die Legende Frieden
und werde nicht satt.
Kann nicht verdauen die Kriege
sie liegen mir wie Steine im Magen
Grabsteine
Der Frieden liegt mir am Herzen
ich kaue, kaue das wiederholte Wort
und werde nicht satt.
ROSE AUSLÄNDER
(aus „Verstehen durch Stille/Loccumer Brevier“,
2003², S. 313)

Der Frieden fängt bei mir und in mir selbst an
Wurzeln zu schlagen und vermag sich auszubreiten
und zu wachsen. So möge uns allen die
uralte jüdische Begrüßungsformel gelten: „Shalom“
– Friede sei mit Dir und mit Euch allen und
zu allererst mit mir selbst, damit Friede werde!
Ihr Pfarrer Thomas Vogt
 
 
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